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  • Tina Cakara

Von Waldgrün bis Samtblau: Wanderfahrt im Salzkammergut

Neun motivierte Ruderer und Ruderinnen der Donau haben sich entschlossen die Alte Donau für eine Woche in Ruhe zu lassen und stattdessen die Seen des Salzkammerguts zu besuchen und zu berudern. Also quasi ein Tausch der sumpfgrünen Alten Donau mit dem Blau der Salzburger und Oberösterreicher Seen. Oder sind sie gar nicht blau? Wir werden es herausfinden!

Drei Boote ist eines zu viel

Der Bootshänger machte sich am Samstag den 22. August mit Thomas und Elisabeth Neppl auf den Weg Richtung Oberösterreich. Hinten nach kamen die Cakaras (Tina, Silvija und Milorad), Andrea, Thomas Koch und Barbara. Walter würde erst einige Tage später nachreisen und Thomas Koch ersetzen. Am Hänger lagen gemütlich und noch nicht aufgeriggert der neue Renngig 5er (bekannt als „Schelli“), die schöne rote Leitha (3x) und die Erlauf (2x). Bald sollte sich herausstellen, dass die Erlauf gar nicht gebraucht werden würde. Am Hänger war sie aber ein willkommenes Ausgleichsgewicht und rettete uns einmal sogar mit einer ihrer Flügelmuttern!

Tag 1 und 2: Der grüne Mondsee

Die acht Donauesen und ihre drei Babys – ähm – Boote waren wie schon die Jahre zuvor im Ort namens „Ort“ am Mondsee untergebracht. Ein tolles Quartier bei der Familie Baldinger – sehr gastfreundlich und entgegenkommend. Schon am ersten Tag ging es aufs Wasser. Wegen Wind und Regen konnten wir aber leider nur knappe 5 Kilometer rudern. Schade! Aber die Boote liefen gut. Und das Wasser: ein sattes Waldgrün.

Am nächsten Tag war nicht nur das Wetter erfreulich, sondern auch die Zahl auf Andreas GPS Uhr: 23 Kilometer. Außerdem gab es bestes Mondseer Eis und Kuchen in der Pause. Der Mondsee erstrahlte an diesem Tag in seiner höchsten Pracht, die Drachenwand sein ständiger Wächter. Die Farbe des Mondsees heute: Drachengrün. Wie das aussieht, sei eurer Fantasie überlassen.

Tag 3: Der türkise Attersee

Die einzigen zwei Sachen, die ich (Tina) über den Attersee wusste, war: er ist sehr wellig und er ist sehr türkis. Das erste konnte sich an diesem Tag, zu unserem großen Glück, nicht bestätigen. Stattdessen empfing uns Sonne und ruhiges Wasser. Das zweite hingegen stimmte zu hundert Prozent: Unsere Ruder glitten durch unwirklich türkises Wasser und schoben uns an diesem Tag beeindruckende 26 Kilometer über den See. Dazwischen eine kurze Pause in Unterach, die Bosna im Tennis Stüberl kosten, dann Kaffee, Kuchen und Eis. Danach kam wieder die übliche Prozedur bei einer Wanderfahrt: Wasserschuhe anziehen, Boot zwischen Büschen und Badegästen ins seichte Wasser tragen (die Büsche wehren sich mit ihren Ästen, die Badegäste mit ihren Blicken), beinahe ins Wasser fallen, einer nach dem anderen einsteigen, gekonnt vom Ufer wegrudern, Füße trocknen. Und überall rundherum nur Türkis.

Tag 4: Der blaue Wolfgangsee

Am Wolfgangsee hatten wir erstmals wieder einen Steg zum Einsteigen: fühlte sich ja fast an wie daheim! Beim Ruderclub Wolfgangsee stießen wir uns gemütlich vom Steg ab. Recht bald begegneten wir dem Raddampfer „Kaiser Franz Josef I“, der unserer Ausfahrt beinahe einen Touristencharakter gab. Der Dampfer würde uns später noch einige Male über den Weg laufen bzw. dampfen. Neben St. Wolfgang sang uns Elisabeth „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ vor. In beiden Booten wurde begeistert applaudiert. Um dem Touristencharakter auch gänzlich zu entsprechen, betrachteten wir, während Elisabeth sang, das Weiße Rössl am Seeufer. Dann gings auch schon weiter, insgesamt 26 Kilometer. Abschließend gingen alle schwimmen: im erfrischenden Blau des Wolfgangsees.

Tag 5: Der dunkelblaue Hallstätter See

Diesmal war unser Ziel der Hallstätter See. Wir waren schon gespannt ob die Gerüchte stimmten und momentan weniger Touristen Hallstatt stürmten. Der heutige Tag war der heißeste bisher. Dennoch schafften wir es, dank Schelli und Leitha, insgesamt 22 Kilometer zurückzulegen. Dazwischen gab es eine Pause (in der stärksten Mittagshitze!) in Hallstatt, das jedoch leider nicht so leer war wie erhofft. Weil wir kein geeignetes Lokal fanden, gab es nur ein paar Snacks to go und dann ging es auch schon wieder weiter. Ein heißer und ermüdender Tag, aber mit der wunderschönen Hallstätter Kulisse und samtigem dunkelblauen Wasser.

Tag 6: Wieder ein bisschen Türkis

Weil der Attersee so groß ist (20 Kilometer lang) und weil er halt auch wirklich sehr schön ist, entschieden wir uns noch einmal hinzufahren. Diesmal legten wir nicht wie beim letzten Mal in der Mitte des Sees bei Zell ab, sondern beim Tennis Stüberl in Unterach. Thomas Koch war in der Früh nach Wien gefahren und sein Platz wurde freudig von Walter ersetzt. Wir fürchteten uns schon etwas, denn es war sein erster Tag und wir hatten schon fünf ruderintensive Tage hinter uns. Aber Walter beruhigte uns und sagte: „Keine Sorge, ich bin hier auf Urlaub.“ Das hielt ihn und einige der motivierteren Donauesen jedoch nicht davon ab, den Wunsch zu äußern, den kompletten Attersee zu berudern. Dazu kam es schlussendlich jedoch nicht mehr. Doch das andere Ende, nämlich Seewalchen, war schon zu sehen, als wir entschieden „Steuer auf“ zu fahren und umzukehren. Ein erfolgreicher Tag im Türkis mit beeindruckenden 34 Kilometern und damit unserem Tagesrekord!

Der letzte Tag: back to the roots

Am letzten Tag entschlossen wir dem Hänger (und Thomas Neppl als Fahrer) etwas Ruhe zu gönnen und am Mondsee zu bleiben. Thomas entschloss sich statt Rudern Rennrad zu fahren und Walter nutzte gleich die Chance und bat seine Silvia uns zu steuern. Und damit starteten Schelli und Leitha am Wasser und Thomas‘ Rennrad (Hat es einen Namen?) an Land und trafen sich etwa zeitgleich in Mondsee auf einer letzten Pause in der Konditorei. Gemütlich ging es dann zurück zum Ursprung, 22 Kilometer durch das grüne Wasser. Ein letztes Mal Abriggern. Ein letztes Mal die Boote auf den Hänger heben. Ein letztes Mal die Gurte festzurren.

Am Abend gingen wir dann zum Seewirt in „Ort“. Eigentlich schon zum dritten Mal in dieser Woche. Es war quasi unser Stammlokal geworden. Wir schlossen die gelungene Woche mit schönen Erinnerungen, leckerem Essen und gutem Wein ab. Der Wein in allen Gläsern war weiß, denn der rote war schon aus.

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WIENER RUDERKLUB DONAU 1889

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